6.2.06

Rumänische Streuner - unbarmherzige Behörden

Am 29. Januar verblutete ein japanischer Geschäftsmann infolge eines Hundebisses. Diesen Vorfall nahm der Bukarester Bürgermeister Adriean Videanu zum Anlaß, die Bestimmungen über den Umgang mit den zahlreichen Streunern in der rumänischen Hauptstadt zu verschärfen: die Hundefängertrupps sollen verstärkt werden und bereits eingefangene Hunde sollen schon nach drei Tagen (bisher: vierzehn Tagen) getötet werden.

In Südosteuropa bestimmen zahlreiche Hunde in sogenannter "Straßenhaltung" das Stadtbild. Die Tiere bewegen sich frei, haben aber feste Bezugspersonen, die sie versorgen. Konflikte zwischen Tier und Mensch sind selten.

Diese Situation entwickelte sich durch gewaltige Modernisierungsprogramme in den achtziger Jahren, bei denen zahlreiche Menschen ihre Häuser und Gärten verloren und zum Umzug in kleine Appartements gezwungen wurden. Dort fanden Haustiere keinen Platz mehr. Die jetzige Sichtbarkeit der Tiere wird von offizieller Seite als unmodern empfunden und deshalb sucht man nach Möglichkeiten der Verbesserung. Bis in die jüngste Zeit wurde eine traditionelle Ausrottungspolitik nach dem sogenannten "Budka-Prinzip" verfolgt: die Bestandskontrolle erfolgte möglichst kostendeckend durch Verwertung der Häute und Verarbeitung der Körper. Vereinzelte Sterilisationsprogramme, wie etwa von "Vier Pfoten Österreich" durchgeführt, wurden nach einer Zeit wieder aufgegeben. (Vergl. dazu auch die Ausführungen der rumänischen Tierschützerin Dana Costin auf Ihrer Homepage (engl. und deutsch).

Besorgte Tierschützer aus Rumänien berichten jetzt, daß infolge des Unfalls in vielen Städten Rumäniens sehr grausam gegen Straßenhunde vorgegangen wird. (Vergl. hierzu auch den bebilderten Bericht über die Situation in Tg-Jiu in englischer Sprache) Sie betonen, daß es keinerlei Beweis für die Behauptung gibt, daß der tödliche Angriff einem Streunerhund zuzurechnen sei und berichten von Gerüchten, daß hier ein als Mordwaffe mißbrauchter Hund eingesetzt wurde. Auffällig sei die schnelle Reaktion der Behörden auf den Vorfall. Die Ermittlungen wurden abgeschlossen.

Roxana Radu hat eine Petition im Internet veröffentlicht und bittet um Unterstützung:
Petition STOP THE KILLING OF THE STRAY DOGS IN BUCHAREST, ROMANIA
Hier finden Sie eine weitere Petition aus gleichem Anlaß von Dana Costin (ROLDA)

Einen Protestbrief an die rumänischen Behörden finden Sie im MiniWiki.

Weiterführende Links:
Brigitte Bardot verurteilt das Vorgehen der rumänischen Behörden (engl.)

Zum Vergleich:
Liviu Gaitas Webseite über das Ausrotten der Bukarester Streunerhunde im Jahre 2001/2002 (deutsche Übersetzung)


Foto: Jim Henderson - Lizenz: gemeinfrei (public domain)



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