28.2.06

Trügerische Sicherheit

Dietmar Woidke, brandenburgischer Landwirtschaftsminister, forderte gestern eine Stallpflicht auf Jahre zur Bekämpfung der Vogelgrippe.

Wenn sich die Vertreter rein wirtschaftlicher Interessen politisch durchsetzen werden, könnte das ein Ende der Freilandhaltung für Geflügel bedeuten. Grüne und Ökoverbände (Bioland, Demeter) fürchten eine Instrumentalisierung der Seuche und fordern einen Erhalt der Freilandhaltung. (vergl. hierzu auch den Artikel zu Biosicherheit )

In der Schweiz reagieren die ersten Landwirte mit Überlegungen zur Aufgabe der Geflügelhaltung. Die Schweizer Organisation zum Schutz der Nutztiere Kagfreiland fordert ein Zusammenwirken von Politik und Geflügelhaltern, um artgerechte Haltungsformen weiterhin zu ermöglichen.

Währenddessen meldet die Geflügelindustrie dramatische Umsatzrückgänge. Frankreich büßte etwa 180 Millionen Euro und Indien 950 Millionen Euro ein. Verläßliche Schätzungen für Deutschland liegen nicht vor, die Zentrale Markt- und Preisberichtsstelle (ZMP) meldet einen schwankenden Schlachtgeflügelmarkt mit stabilen Preisen.

Stallhaltung allein schützt vor der Vogelgrippe nicht, wie uns die jüngste Infektion in einem französischen Putenbestand zeigt. Dort wurde das Virus offenbar beim Wechseln der Einstreu eingeschleppt. Umstritten ist auch, ob Zugvögel für den Ausbruch der Geflügelpest verantwortlich sind. Diese Annahme begründet derzeit die Stallpflicht.

Bei aller demonstrierten Hilf- und Ratlosigkeit liegt der Verdacht nahe, daß man derzeit energisch handelt, aber leider nicht viel weiß.


Weiterführende Links:

Warum Bio-Freilandhaltung fürs Geflügel? Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL)


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