15.2.06

Vogelgrippe für Tierschützer

Die Vogelgrippe hat uns also erreicht. Höchste Zeit für drängende Fragen: Was betrifft mich, meine Familie, meine Tiere? Anschließend vielleicht: was heißt Geflügelpest eigentlich für die gefährdeten Vögel?

Zur ersten Frage. Die Geflügelpest ist eine Geflügelkrankheit. Vogelgrippe bei Mensch und Tier bricht erst nach intensivem Kontakt mit Kot oder Blut infizierter Vögel oder durch den Verzehr nicht ausreichend erhitzter Geflügelprodukte aus. Übersetzt: Hände weg von Wildvögeln, Haustiere weg von Rastplätzen der Wild- und Zugvögel.

Richtig gefährlich wird es dann, wenn die Krankheit von Mensch zu Mensch übertragbar wird, was zur Zeit nicht gegeben ist. Zum besseren Verständnis ein wenig Virenkunde.

Ein Virus ist etwas, das es gut versteht, andere für sich arbeiten zu lassen. Selbst ist es unfähig zur Vermehrung und sucht deshalb sogenannte "Wirte" auf, die diese Aufgabe übernehmen. Die biochemischen Vorgänge sind kompliziert. Deshalb sind die Krankheitserreger Spezialisten und besiedeln Wirtsorganismen, deren Zellen sie gut steuern können. So ist z. B. zu erklären, daß sich unsere Katzen nicht anstecken, wenn wir mit (humaner) Grippe darniederliegen. H5N1, verantwortlich für die Vogelgrippe, ist auf derzeit auf Geflügelwirte angewiesen.

Viren können sich sehr schnell verändern. Man rechnet bei einem befallenen Organismus mit täglich zwei Mutationen. Diese Wandlungen im Erbgut können zu Erregern mit neuen Fähigkeiten führen. Am meisten fürchtet man eine Abart, die menschliche Zellen besser steuern kann als die anderer Lebewesen - das wäre der Beginn der Pandemie. Medikamente stehen in begrenztem Umfang zur Verfügung, Impfstoffe können erst entwickelt werden, wenn solch ein Virus neuen Typs entdeckt wird. Eine unerquickliche Aussicht für eine Gesellschaft, die glaubt, alles im Griff zu haben.

Internationale Organisationen und Staaten versuchen, die Tierseuche zu mit allen Mitteln zu bekämpfen. Die geübte Praxis ist die radikale Vernichtung von Geflügel. Diese "Sanierungsmaßnahmen", wie der Fachbegriff lautet, sind nach Aussagen aus dem Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) zur Kontrolle der Geflügelpest in der hiesigen Situation am besten geeignet, während Impfungen allein als nicht wirksam angesehen werden.

Impfstoffe schützen die Vögel vor den Symptomen der aviären Influenza, nicht jedoch vor einer Infektion selbst. Das FLI stellt in seiner Argumentation für die Beibehaltung von Massenkeulungen organisatorische Argumente in den Vordergrund: so die aufwendige Diagnostik der Krankheit in geimpften Beständen, die fehlende Zulassung eines Impfstoffes, kaum Möglichkeiten, zwischen geimpften und tatsächlich infizierten Tieren zu unterscheiden. Auch der Impfung von Haus- und Zootieren steht man kritisch gegenüber: die Wirkung der Vakzine sei nur an Hausgeflügel getestet - andere Tiere würden u. U. keinen ausreichenden Impfschutz erhalten und deshalb gar zur Überdauerung des Erregers beitragen.

In der Summe sind das sehr überzeugende Argumente - handelte es sich dabei bloß um Ziegelsteine und nicht um Mitlebewesen. Wie anders ist der Geist des heutigen Urteils des Bundesverfassungsgerichts, das den Abschuß sogenannter Terrorflugzeuge mit dem Hinweis auf das Recht auf Leben und die körperliche Unversehrtheit der Insassen verbot. Tiere sind und bleiben Lebewesen zweiter Klasse.


Weitere Informationen zur Vogelgrippe:
Vogelgrippe in der Wikipedia
Dossier Vogelgrippe Tagesschau
Dossier Vogelgrippe FAZ.net
Vogelgrippe bei Katzen (Verbrauchernews)
Verbrauchertips Vogelgrippe Bayerischer Rundfunk

Foto: Insel Riems, Heimat des Friedrich-Loeffler-Instituts.
Quelle: Wikipedia - Lizenz: public domain




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