6.3.06

Mensch-Tier-Verhältnis

Im "Forum-Grenzfragen" der Diözese Rottenburg werden aus aktuellem Anlaß zwei philosophische Texte, die sich mit dem Verhältnis zwischen Mensch und Tier befassen, vorgestellt [1].

Die Philosophin Regine Kather, Professorin an der Universität Freiburg, beendet ihren Vortrag zum Thema "Die Beziehung des Menschen zu den Tieren - eine wechselvolle Geschichte" mit den Sätzen: "Weitet man das Gefühl der Achtung, das bislang das Verhältnis zwischen Menschen bestimmen sollte, auf alles Leben aus, dann findet man vermutlich kaum eine bessere Formulierung als die der 'Ehrfurcht vor dem Leben'. Die Ehrfurcht setzt dem Willen zur Macht Schranken, in dem sie das Gespür für die Unverfügbarkeit und Verletzlichkeit allen Lebendigen wachhält und ihm einen eigenen, unveräußerlichen Wert einräumt."

Der sehr lesbare Text stellt die Entwicklung des Verhältnisses vom Mensch zum Tier in der abendländischen Philosophie in den Mittelpunkt und zeichnet die Entwicklung von der griechischen Antike (der Mensch als Glied in der "Kette der Lebewesen") über die strikte Trennung zwischen dem denkenden Menschen auf der einen Seite und dem als lebendige Maschine bzw. Objekt begriffenen Tier im Denken von Descartes und Kant bis zu einer mit der Darwinschen Evolutionstheorie beginnenden Wiederannäherung nach. Die Autorin begreift - im Gegensatz zu Peter Singer - den Menschen als etwas qualitativ vom Tier zu Unterscheidendes. Weil Tiere aber empfindungs- und leidensfähig sind, darf sich menschliches Handeln nicht allein auf den Menschen, sondern muß sich als Ausdruck der menschlichen Verantwortung, die mit Menschenwürde einhergeht, auf sämtliche Lebewesen richten [2].


Der Verantwortung für tierisches Leben spürt in einem anderen Vortrag Eberhard Schockenhoff nach. In "Die menschliche Verantwortung für das tierische Leben in der Landwirtschaft – Landwirtschaftliche Erfordernisse und unsere Verantwortung für Tiere als Mitgeschöpfe" setzt sich der Freiburger Professor für Moraltheologie mit den Begriffen der "Mitgeschöpflichkeit" und der "Tierrechte" auseinander und leitet aus diesen Überlegungen ein Recht des Menschen zur Tiernutzung ab. Dieses Nutzungsrecht findet seine Grenzen im Verbot, einem Tier unnötige Schmerzen zuzufügen und es in seinem Wohlbefinden (Unterbringung, Bewegungsspielraum) einzuschränken. Massentierhaltung und transgene Tiere werden als Problemfälle menschlicher Tiernutzung ausdrücklich diskutiert und verurteilt. [3]

Beide Vorträge wurden anläßlich der Tagung "'Euch sollen sie zur Nahrung dienen...' - Ethik des Lebens zwischen Vegetarismus und Rinderwahn" am 7. - 9. 6. 1996 gehalten.


[1] "Forum-Grenzfragen" der Diözese Rottenburg
[2] Vortragstext Prof. Dr. Regine Kather
[3] Vortragstext Prof. Dr. Eberhard Schockenhoff



Foto: Diogenes (Jean Leon Gerome 1824-1904) - Lizenz: gemeinfrei (public domain)

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